Andy Tagebuch - VORWORT

*Heute wird Silvester gefeiert. Das Jahr 2001 beginnt mit viel Lärm und feuchtfröhlichem Feiern. Ich blicke aus dem Fenster und sehe dem fröhlichen Treiben dort draußen mit Freude und einem Hauch Wehmut zu. Bei diesem Jahreswechsel ist mir ein Feiern im üblichen Sinne unmöglich. Diesesmal ist es ganz anders als die vielen Jahre zuvor. Ich brauche die Stille. Ich wünsche mir alleine zu sein mit all meinen Erinnerungen. *

Peng, Knall, Zisch........... macht es ununterbrochen vor meinem Fenster. Diese Geräusche enden im Himmel ganz weit oben mit einem bunten Lichterspiel. Schon nach einigen kurzen Augenblicken ist es vorbei. 

Nichts erinnert mehr daran, dass noch vor Sekunden am Himmel ein berauschendes Schauspiel zu sehen war.

Gedankenverloren blicke ich einfach weiter in den Himmel obwohl jetzt nichts mehr zu sehen ist. Nach dem grellen Leuchten der Feuerwerkskörper sehen meine Augen nun in eine tiefschwarze Nacht. Jetzt, nachdem all die lustigen Farbenspiele am Himmel erlöschen, wirkt das Dunkel der Nacht schon fast bedrohlich auf mich. Plötzlich fühle ich mich so schrecklich allein und unwichtig. Aus der anfänglichen Wehmut wird Schwermut. Mein Herz zieht sich unter diesem Schmerz leicht zusammen und nun ist sie wieder fühlbar da, die Erinnerung an den bisher schmerzlichsten Tag meines Lebens.

Tränen voller Schmerz drängen sich in meine Augen, ich kann jedoch nicht aufhören weiter in den Himmel zu starren.

Nur ganz langsam nehme ich dort draußen in der Dunkelheit, weit weg, ja, unendlich weit weg, ein sanftes, fast ein bescheidenes Licht wahr. Die Nacht klirrt vor Kälte und Nebelschwaden überziehen den Boden. So habe ich von meiner Dachwohnung aus einen überwältigenden Ausblick in den klaren Sternenhimmel. Die Sterne haben nun das Leuchten im Dunkel der Nacht übernommen und das Gefühl für Zeit geht in mir verloren. Ich bin gebannt von derSchönheit der Sterne. Zu begreifen, dass unser Leben ein ewiges Silvester sein könnte, würden wir es nur umsetzen, schießt mir blitzartig durch den Kopf

Vor dem schicksalhaften Sonntag, den 29.10.00, wäre mir auch noch mehr daran gelegen gewesen, diesen Tag so richtig zu feiern. Abtanzen mit viel Musik, Sekt und Feuerwerk.

Und nun schüttle ich instinktiv den Kopf während die Sterne meinen Blick immer nochgefangen halten. Was ist so wichtig an diesem einen Tag, was nicht an den anderen 364 Tagen genauso wichtig wäre?

Es ist schon faszinierend, wenn die ganze Welt diesen ersten Tag im Jahr mit einem Fest beginnt. Rund um den Erdball leuchtet um 24 h der ganze Himmel in den prächtigsten Farben. Nur diese eine Nacht, an dem man um 
Mitternacht seinen Liebsten und auch jedem anderen Menschen denen wir begegnen, ein Lächeln schenkt. Heute bringen wir Glücksschweinchen mit, heute wird dem anderen ein glückliches Neues Jahr gewünscht, nur heute.

Wie traurig und trostlos, leben wir Menschen doch dieses, so kostbare Leben? Ich möchte hinausschreien in die glitzernde Sternennacht: ''He, ihr da draußen, wacht auf, das ganze Leben ist es wert derart gefeiert zu werden!'' Der Himmel zeigt es uns mit seiner ewigen Sternenpracht. Jede Nacht zeigt sich das Feuerwerk der Natur im Universum. Die Natur, das Leben feiert jede einzelne Nacht Silvester, nicht so laut und lebhaft wie wir Menschen in dieser einen Nacht, aber dafür beständig und ewig.

Mir wird ganz stark bewusst, wie oberflächlich dieses Treiben der Silvesternacht in Wirklichkeit ist. In mir macht sich wieder dieses herrliche, wärmende Gefühl von Dankbarkeit breit. Es durchrieselt meinen gesamten Körper. Jetzt steigen Tränen der Freude und der Liebe in meine Augen, und genau so ruhig und beständig, wie die Natur dort draußen feiert, laufen die Tränen über meine Wangen. Zum feiern habe ich heute viele Gründe.

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