Andy Tagebuch - VORWORTGerade waren wir zum Haus von Wolfgang gekommen und wir freuten uns auf einen gemütlichen Sonntagabend. Ich befand mich im Wohnzimmer als das Telefon klingelte. Wolfgang befand sich im ersten Stock, in seinem Büro, dort nahm er auch den Hörer ab. Wenn er sonst angerufen wurde und mit einem Anrufer sprach, hörte ich seine Stimme sogar im Wohnzimmer. Heute vernahm ich absolut keinen Laut. Komisch, dachte ich noch. Na, vielleicht hatte sich jemand verwählt. Plötzlich hörte ich, wie Wolfgang meinen Namen rief. Erst etwas zögernd dann doch dringend. Seine Tonlage war heute irgendwie verändert, als er mich rief. Ich spürte sofort, dass jetzt etwas anders war als sonst. Ich ging in den Flur um mich bemerkbar zu machen, mit beklommenem Herzen ging ich nach oben. Noch einmal sagte Wolfgang zu mir, ich solle ans Telefon kommen, es sei meine Mutter. Als ich dabei seinen schockierten Gesichtsausdruck bemerkte, ahnte ich sofort Schlimmes. Wie unter Zwang nahm ich den Hörer in die Hand und meldete mich zaghaft. Als ich die Stimme meiner Mutter hörte, hatte ich die Gewissheit, es bestätigte sich meine Vorahnung. Ihre Stimme war total verändert, so als würde sie jeden Moment ersticken. Ich hatte Mühe ihren Wortlaut zu verstehen. Was hörte ich da? Das kann doch nicht wahr sein! Sie merkte wohl, dass ich das Gesagte noch nicht vollständig aufgenommen hatte. Mühevoll wiederholte sie sich noch einmal. Endlich drangen ihre Worte zu mir durch und ich konnte das Furchtbare begreifen. Die Polizei sei bei ihr, da Andy einen schweren Autounfall verursacht hatte. Es sei am Ortsausgang von Erlstätt passiert, als er sich auf dem Heimweg befand. Er sei mit einem entgegenkommenden Wagen frontal zusammengeprallt und die Ärzte geben ihm wenig bis gar keine Überlebenschance. In mir machte sich in Sekunden ein unerträglicher Schmerz breit. In meinem Kopf begann sich alles zu drehen. Alles in mir schien vor Schmerz zu schreien...... NEIN......NEIN...... NEEEEEEIN Unfähig mich von der Stelle zu bewegen stand ich vor dem Telefon und legte wie betäubt den Hörer auf. Wolfgang nahm mich in seine Arme und führte mich behutsam nach unten ins Wohnzimmer. Hier saß ich vorerst auf dem Sofa und versuchte einen klaren Gedanken zu fassen, wobei ich jedoch kläglich scheiterte. Wolfgang sprach mit mir, obwohl er sicher gemerkt hatte, dass ich geistig total abwesend war. Nach einigen Minuten stellte er eine Verbindung zum Krankenhaus her, damit ich den aktuellen Zustand aus sicherer Quelle erfahren konnte. Der Mann am Ende der Leitung konnte mir nur bestätigen, dass es sehr ernst um meinen Sohn stand. Er sei jetzt noch im OP und Genaueres könnten sie erst in 1-2 Std. sagen. Ich sah auf die Uhr und registrierte, dass dies ca. um 20.00 -21.00 Uhr sein werde. Ein wenig besser ging es mir nach dem Gespräch trotzdem, da ich jetzt wusste, dass er noch am Leben war und das rettende Wunder immer noch geschehen konnte. Bevor wir in die Klinik fuhren, hatte uns Wolfgang eine Kanne Tee zur Stärkung gemacht, dieser tat sehr gut in meiner trockenen Kehle. Auch seine bedingungslose Zuwendung war für mich in dieser Stunde wie ein Rettungsanker. |
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